Exokrine Insuffizienz infolge eines Typ 2 Diabetes?

Verliert ein Patient mit Typ 2 Diabetes an Gewicht, ist dies grundsätzlich erst einmal nichts Schlechtes. Doch der Gewichtsverlust kann auch Symptom einer exokrinen Pankreasinsuffizienz sein, die komorbid zu einer Diabetes-Erkrankung auftreten kann. Wie Sie diese Patienten erkennen und behandeln, lesen Sie hier.

Diabetes: Auch an die exokrine Insuffizienz denken!

Wie häufig Diabetiker zusätzlich an einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) leiden, ist nicht eindeutig bekannt. Man geht davon aus, dass etwa jeder dritte Patient mit Typ 2 Diabetes mellitus und sogar bis zu zwei Drittel der Typ-1-Diabetiker auch eine EPI aufweisen1– es gibt jedoch auch Studien, die unter Typ-2-Diabetikern eine EPI-Prävalenz von nur knapp 10 % nachweisen konnten.2

Ein EPI-Screening bei Diabetes-Patienten gilt jedoch in jedem Fall als sinnvoll. Wegweisend sind dabei vor allem abdominelle Beschwerden, insbesondere Meteorismus, Diarrhoe und Fettstühle.3 Die Verdachtsdiagnose kann durch Pankreasfunktionstests bestätigt werden.3 Infrage kommen der 13C-Triglycerid-Atemtest und die Bestimmung der fäkalen Pankreas-Elastase-1. Letzterer kann auch durch die Hausarztpraxis leicht durchgeführt werden. Ein Wert unter 200 µg/g Stuhl bestätigt die Diagnose4,und die Diabetes-Behandlung sollte dann mit einer Pankreasenzym-Substitution ergänzt werden.3

  • Leidet der Patient unter Diarrhoe, kann dies einen Verdünnungseffekt haben und der Wert der Pankreas-Elastase-1 kann falsch erniedrigt sein.5
  • Als Alternative zur Pankreas-Elastase-1 kommt für die Diagnose ein 13C-Triglycerid-Atemtest in Frage,5 der auch bei milder Insuffizienz eine hohe Spezifität und Sensitivität hat6 (i.d.R. Durchführung beim Gastroenterologen oder in der Klinik).
  • Jeder Patient mit fortgeschrittenem Diabetes sollte auf eine EPI getestet werden. Bei grenzwertigen Elastase-Werten ist anzuraten, die Bestimmung ggf. mehrfach zu wiederholen.

Spezifische Differenzialdiagnosen beachten

Differenzialdiagnostisch kommen als Ursache für Stuhlgangveränderungen, abdominelle Beschwerden oder Gewichtsverlust bei Diabetes-Patienten auch andere Erkrankungen in Frage. Speziell bei Typ-1-Diabetikern sollte auch an eine Zöliakie gedacht werden. Nebenwirkungen oraler Antidiabetika oder eine bakterielle Dünndarmfehlbesiedelung müssen ebenfalls als Ursache in Erwägung gezogen werden.7,8 Eine Übersicht über die wichtigsten Differenzialdiagnosen finden Sie in untenstehendem Klapptext.

Differenzialdiagnose abdomineller Symptome bei Diabetes mellitus (nach 7,8)
  • exokrine Pankreasinsuffizienz
  • diabetische Neuropathie (Gastroparese, Dumping-Syndrom, Diarrhoe, Stuhlinkontinenz, Obstipation, bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung)
  • gastrointestinale Nebeneffekte (oraler) Antidiabetika (Metformin, Acarbose, Inkretinanaloga)
  • Inkomplette Absorption bzw. Unverträglichkeit von Zuckeraustauschstoffen (z. B. Sorbit oder Fructose)
  • Zöliakie (betrifft 3 – 5 % der Typ-1-Diabetiker)
  • Pankreaskarzinom (tritt bei Diabetikern im Vergleich zur Normalbevölkerung häufiger auf; ebenso andere gastrointestinale Karzinome)
  • andere gastrointestinale und hepatobiliäre Erkrankungen (Reizdarmsyndrom, funktionelle Dyspepsie, gastroösophagealer Reflux, Gallenweg-/Gallenstein-Erkrankungen, entzündliche Darmerkrankungen, nichtalkoholische Steatohepatitis)

Doch nicht nur die Ursache abdomineller Beschwerden, sondern auch die Klassifizierung des Diabetes sollte hinterfragt und vorangegangene oder bestehende Pankreaserkrankungen, z. B. eine chronische Pankreatitis, abgeklärt werden.Denn: Nicht selten werden Patienten mit einem Typ 3c Diabetes fälschlicherweise als Typ 2 eingestuft, so die Schlussfolgerung einer retrospektiven Kohortenstudie mit über 2 Millionen Hausarztpatienten.9 Die richtige Diagnose ist jedoch Voraussetzung für eine adäquate Behandlung des Diabetes, die sich für Typ 2 und Typ 3c Patienten z. T. grundlegend unterscheidet.3,8

Wie wird die exokrine Pankreasinsuffizienz behandelt? Die Therapie der Wahl bei exokriner Pankreasinsuffizienz ist immer die Substitution von Pankreasenzymen. Empfohlen wird eine Standarddosis von 3 x 40.000 internationalen Einheiten (IE) Lipase zu den Hauptmahlzeiten und je 25.000 IE zu den Zwischenmahlzeiten. Mit dem Ziel der Beschwerdefreiheit können auch höhere Dosierungen eingesetzt werden.10 Hilfestellungen, wie die Pankreasenzym-Therapie gelingt, finden Sie in folgenden Beiträgen:

Offene Frage:

Welche Charakteristika zeichnen Ihre Patienten mit Typ 2 Diabetes und einer EPI aus? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen an info(at)pankreatin.de.

Quellen:

  1. Weitgasser R, et al. Exokrine Pankreasinsuffizienz und Diabetes mellitus. Wiener klinische Wochenschrift; Sonderheft 2/2016.
  2. Riceman MD et al. The prevalence and impact of low faecal elastase-1 in community-based patients with type 2 diabetes. Diabetes Res Clin Pract 2019;156:107822.
  3. Kaser S et al. Andere spezifische Diabetesformen und exokrine Pankreasinsuffizenz (Update 2019). Wien Klein Wochenschr 2019;131(Suppl 1):16-26.
  4. Löhr JM, et al. United European Gastroenterology evidence-based guidelines for the diagnosis and therapy of chronic pancreatitis (HaPanEU). United European Gastroenterology Journal 2017;5(2):153-199.
  5. Fischer T. Gastroenterologie für Hausärzte. Thieme 2018.
  6. Hoffmeister A et al. S3-Leitlinie Chronische Pankreatitis: Definition, Ätiologie, Diagnostik, konservative, interventionell endoskopische und operative Therapie der chronischen Pankreatitis. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Z Gastroenerol 2012; 50:1176-1224.
  7. Österreichische Diabetes Gesellschaft. Positionspapier. Exokrine Pankreasinsuffizienz und Diabetes mellitus. Version 17, November 2011.
  8. Hammer H. Pankreatischer Diabetes: Interaktion zwischen endokrinem und exokrinem Pankreas und ihre klinische Praxis. J Gastroenterol Hepatol Erkr 2010;8(2):30-33.
  9. Woodmansey C et al. Incidence, Demographics, and Clinical Characteristics of Diabetes of the Exocrine Pancreas (Type 3c): A Retrospective Cohort Study. Diabetes Care 2017;40:1486-1493.
  10. Siegel E. Pankreopriver Diabetes mellitus. Risikofaktoren und Diagnostik. Diabetes aktuell 2019;17(6):230-234.

Die Veröffentlichungen beziehen sich nicht namentlich auf das hier beworbene Produkt.

Pflichtangaben für Fachkreise: Pankreatan® 10.000 / 25.000 / 36.000 / Pankreatan® 20.000 Ph.Eur.-Einheiten / Pankreatin 40.000 Nordmark®

Wirkstoff: Pankreas-Pulver vom Schwein. Zusammensetzung: Pankreatan 10.000 / 20.000 / 25.000 / 36.000 – 1 magensaftresistente Hartkapsel enthält 97,6 / 195,2 / 244 / 303,5 mg Pankreas-Pulver vom Schwein (Lipaseaktivität 10.000 / 20.000 / 25.000 / 36.000 Ph.Eur.-Einh., Amylaseaktivität mind. 7.500 / 15.000 / 18.750 / 22.000 Ph.Eur.-Einh., Proteaseaktivität mind. 450 / 900 / 1.125 / 1.200 Ph.Eur.-Einh.). Sonstige Bestandteile: Crospovidon, mikrokristalline Cellulose, hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat (Ph.Eur.), Methacrylsäure-Ethylacrylat-Copolymer (1:1) Dispersion 30 % (Ph.Eur.), Polysorbat 80, Wasser, Triethylcitrat, Talkum, Simeticonemulsion (Simeticon / Methylcellulose / Sorbinsäure (Ph.Eur.) / Wasser), Montanglycolwachs, Gelatine, Titandioxid (E171), Eisenoxide und -hydroxide (E 172) [Eisenoxide nicht in Pankreatan 20.000], Natriumdodecylsulfat. Pankreatin 40.000 Nordmark – 1 magensaftresistente Hartkapsel enthält 319,05–414,35 mg Pankreas-Pulver vom Schwein (Lipaseaktivität: 40.000 Ph.Eur.-Einh., Amylaseaktivität: mind. 25.000 Ph.Eur.-Einh., Proteaseaktivität: mind. 1.500 Ph.Eur.-Einh.). Sonstige Bestandteile: Gelatine, Methacrylsäure-Ethylacrylat-Copolymer (1:1) Dispersion 30% (Ph.Eur.), Simeticonemulsion (Simeticon, Methylcellulose, Sorbinsäure (Ph.Eur.), Wasser), Talkum, Triethylcitrat, Titandioxid (E 171), Eisenoxide und -hydroxide (E 172), Natriumdodecylsulfat. Anwendungsgebiete: Störungen der exokrinen Pankreasfunktion, die mit einer Maldigestion einhergehen. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Pankreatin, Schweinefleisch/-proteine oder einen der sonstigen Bestandteile. Nebenwirkungen: Bauchschmerzen, Verstopfung, Stuhlanomalien, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Schwindelgefühl, Gleichgewichtsstörung, Schnupfen, Sodbrennen, Mundschleimhautentzündung, Unwohlsein, allergische Reaktionen vom Soforttyp: Hautausschlag, Juckreiz, Niesen, Tränenfluss, Atemnot, allergische Reaktionen des Verdauungstraktes. Bei Patienten mit Mukoviszidose Verengungen im Dünn- oder Dickdarm (Literaturfälle bei Hochdosistherapie). Weitere Informationen siehe Fach- und Gebrauchsinformation. Stand: Februar 2019. 57000061 ZLT 062 01

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Mitvertrieb: Nordix Pharma Vertrieb GmbH, Pinnauallee 4, 25436 Uetersen.
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